Akku-Zertifikat lesen: Was drinstehen muss und was ein schwaches verrät
4 Minuten Lesezeit · Zuletzt geprüft Oktober 2026
Ein Akku-Zertifikat soll eine Frage beantworten: Wie viel Kapazität hatte der Akku in genau diesem Fahrzeug zu einem bestimmten Zeitpunkt noch? Ob ein Dokument das leistet, erkennen Sie an wenigen Angaben. Fehlt eine davon, ist der Prozentwert weniger wert, als er auf den ersten Blick aussieht.
Diese Angaben gehören hinein
- Akkuzustand in Prozent. Der State of Health, kurz SoH, setzt die heute nutzbare Kapazität ins Verhältnis zum Neuzustand. Ausführliche Zertifikate nennen zusätzlich die nutzbare Energie in Kilowattstunden, heute und im Neuzustand.
- Messmethode. Wurde im Stand ausgelesen, während einer Messfahrt mit Entladung gemessen oder beim Laden? Ohne diese Angabe lässt sich der Wert nicht einordnen.
- Prüfdatum. Ein Akku altert weiter. Der Wert gilt für diesen Tag.
- Kilometerstand bei der Prüfung. Erst zusammen mit dem Datum zeigt er, wie viel seitdem gefahren wurde.
- Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN). Sie verbindet das Ergebnis mit dem Fahrzeug. Ohne FIN kann das Dokument zu jedem Tesla desselben Modells gehören.
- Prüfer. Wer hat gemessen? Ein Zertifikat nennt den Anbieter und ist für Rückfragen nachvollziehbar.
AutoScout24 nennt dieselben Grundangaben und ergänzt Auffälligkeiten wie Zellungleichgewichte oder Fehlereinträge. Fehlen Messmethode oder Datum, ist der Prozentwert nach dieser Einschätzung nur eingeschränkt belastbar. Die ERGO zählt bei ausführlichen Zertifikaten außerdem den Ladestand zu Beginn und am Ende der Messung, Zelltemperaturen und Zellspannungen, die Seriennummer der Batterie und eine geschätzte Reichweite auf.
Warnzeichen
- Ein altes Datum. Ein Zertifikat aus dem vorletzten Jahr sagt wenig über heute. Fragen Sie, warum nicht neu gemessen wurde.
- Ein Kilometerstand weit unter dem heutigen. Liegen zwischen Prüfung und Besichtigung wenige tausend Kilometer, ist das unproblematisch. Bei mehreren zehntausend Kilometern ist der Akku seitdem weiter gealtert, und eine neue Messung ist angebracht.
- Keine FIN oder eine, die nicht passt. Vergleichen Sie Zeichen für Zeichen mit der Zulassungsbescheinigung Teil I (Feld E) und mit der FIN am Fahrzeug. Eine Abweichung in einer einzigen Stelle reicht, um das Dokument wertlos zu machen.
- Keine Methode, kein Prüfer. Ein Prozentwert ohne Angabe, wie und von wem er ermittelt wurde, ist eine Behauptung.
- Bildschirmfotos statt Zertifikat. Ein Foto der Reichweitenanzeige zeigt eine Schätzung des Batteriemanagements, keine Messung. Auch Bildschirmfotos aus Auslese-Apps sind kein Zertifikat, solange Datum, Kilometerstand und FIN nicht erkennbar dazugehören.
- Nur Ausschnitte. Wer nur die erste Seite oder ein abfotografiertes Blatt zeigt, sollte das vollständige Dokument nachreichen. Manche Anbieter versehen ihre Zertifikate mit einem QR-Code, über den sich das Ergebnis online abrufen lässt, etwa TÜV Rheinland beim Battery Quick Check. Nutzen Sie diese Möglichkeit.
- Werte über 100 Prozent. Sie kommen vor, wenn die Messung mit einem falschen Referenzwert für den Neuzustand rechnet. Der Wert ist dann nicht automatisch falsch, aber die Bezugsgröße stimmt nicht.
So ordnen Sie den Wert ein
Ein Prozentwert allein sagt wenig. Vergleichen Sie ihn mit Fahrzeugen desselben Modells bei ähnlicher Laufleistung. Der Diagnoseanbieter Aviloo hat 2026 für das Model Y mit 78,8 kWh einen Medianwert von 94,5 Prozent bei 50.000 Kilometern und 90,3 Prozent bei 150.000 Kilometern veröffentlicht. Weitere Vergleichswerte und die Frage, ab wann ein Wert auffällig ist, stehen unter Wie viel Akkuverlust ist bei einem Tesla normal.
Achten Sie außerdem auf die Methode. Kurztests im Stand werten Daten aus dem Batteriemanagement aus und vergleichen sie teils mit Daten ähnlicher Fahrzeuge. Messfahrten, bei denen der Akku von voll bis fast leer gefahren wird, messen das einzelne Fahrzeug direkt. Zwei Zertifikate mit unterschiedlicher Methode sind deshalb nicht eins zu eins vergleichbar. Bei Tesla wurden zwischen verschiedenen Methoden Abweichungen von mehreren Prozentpunkten beobachtet, mehr dazu im Artikel Batteriezustandstest.
Und schließlich die Garantie: Ein Zertifikat unter 70 Prozent ist ein starkes Indiz, aber keine Entscheidung. Ob ein Garantiefall vorliegt, beurteilt Tesla mit dem eigenen Test. Die Einzelheiten stehen unter Akkugarantie: Ab wann tauscht Tesla.
Teslas eigener Test als Nachweis
Manche Verkäufer zeigen ein Foto von Teslas Batteriezustandstest. Das ist mehr wert als ein Foto der Reichweite, denn es zeigt eine Messung. Ein Zertifikat ersetzt es trotzdem nicht, weil Datum, Kilometerstand und Fahrzeug auf dem Foto nicht sicher zugeordnet sind. Bitten Sie darum, sich das Ergebnis bei der Besichtigung im Fahrzeugmenü zeigen zu lassen, sofern es dort noch angezeigt wird.
Was ein Zertifikat nicht sagt
Ein Akku-Zertifikat beschreibt den Akku, sonst nichts. Ob die Querlenker ausgeschlagen sind, ob der Wagen einen Unfall hatte, ob am Unterboden Korrosion sitzt oder ob das Schnellladen funktioniert, steht nicht darin. Was Sie davon selbst prüfen können, steht in der Checkliste für die Probefahrt. Für die Entscheidung, ob Sie den Akku vor dem Kauf prüfen lassen sollten, hilft der Artikel Gebrauchten Tesla kaufen: Akku prüfen lassen.
Quellen: Akku prüfen, SoH, AutoScout24; Batteriezertifikate, ERGO Ratgeber, Stand April 2026; Battery Quick Check, TÜV Rheinland, August 2023; Aviloo-Batterie-Report, echo24, September 2026; Aviloo Flash-Test, electrive, September 2022.